Tinnitus-Behandlung-von Homöopathie bis Osteopathie

Aus dem Zentrum für Ganzheitliches Heilen-Berlin/ Deutsche Gesellschaft für Osteopathie und Schmerztherapie (DGOS) –12049 Berlin
von : Dr. Dr. Klaus Zak- Osteopath ® – Homöopath – TCM Akupunktur

Als Ohrensausen oder Tinnitus bezeichnet man spontan auftretende, ein- oder beidseitige Geräuschempfindungen, die ihre Ursache nicht in der Außenwelt haben, die im Hörorgan selbst in den zentralen Bahnen entstehen. Der Tinnitus kann als Hochtongeräusch mit Summen, Piepen, Rauschen subjektiv empfunden werden. In der HNO-ärztlichen Praxis kann mit audiometrischen Verdeckungstests objektiviert werden, in welcher Weise der Tinnitus besteht und ob gegebenenfalls bereits schon eine Hörminderung oder Schädigung des Gehörorgans besteht. So können auch die verschiedenen Frequenzen des Tinnitusgeräusches analysiert werden. In der Vorgeschichte eines Betroffenen findet man die unterschiedlichsten Anamnesen. Die bloße Angabe eines Tinnitus besagt zunächst noch nichts über die objektiven Fakten, ob überhaupt eine Hörminderung oder Schädigung des Gehörorgans besteht. Meist liegen in der Audiometrie im höheren Bereich (Hochtonabfall) Gehörminderungen vor. Diese bestehen insbesondere dann, wenn es sich auch um eine lärmbedingte Gehörschädigung in der Tinnitusanamnese handelt. Tiefe Töne sprechen dabei eher gegen eine „Lärmschädigung“. Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche wie Tinnitus sind u.a. zwei Symptome des lärmgeschädigten Innenohres, so dass sich hieraus auch gegebenenfalls versicherungsrechtliche Fragen ergeben können. Die sog. inneren Ursachen (endogene Schwerhörigkeit, Otosklerose, Meniersche Erkrankung, Folgen von Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen) können ebenfalls zu Hörstörungen mit Tinnitus führen.

In der interdisziplinären Anamnese zwischen den beteiligten Fachdisziplinen (HNO-Heilkunde -Hörsturz, Morbus Menier, Neurologie, Innere Medizin-Diabetes mellitus-Bluthochdruck, Orthopädie, Osteopathie etc.) können Durchblutungsstörungen, sog. viszerale Restriktionen, Folgen von Schleudertraumen der Halswirbelsäule, andere Funktionsstörungen und Läsionen mit einem Tinnitus einhergehen.

Im Sinne des „Aller guten Dinge sind drei“ haben sich in unserem Zentrum zur Tinnitusbehandlung folgende ergänzende Heilmethoden bewährt:

  1. Osteopathie
  2. Homöopathie
  3. Akupunktur

Selbstverständlich müssen die Grenzen der Behandlungen klar erkannt werden und man darf im Patienten keine falschen Hoffnungen wecken. Patienten mit einem traumatischen Lärmtrauma und entsprechender Hörminderung und resultierendem Tinnitus sind bezogen Tinnituserkrankung wahrscheinlich nur „schwer“ therapierbar. Hier dienen die erweiternden Methoden lediglich dazu, die bereits abgeklärten Leitsymptome aus schulmedizinischer Sicht sinnvoll zu ergänzen und „das Umfeld mit zu sanieren“. Fassen wir das Problem des Tinnitus aurium aus schulmedizinischer Sicht noch einmal zusammen, so handelt es sich insgesamt häufig beim Tinnitus auch um Symptome, die sich einer Objektivierung mit Ursache und Wirkung entziehen. Eine Besserung kann also auch durch Sanierung und Optimierung einer Grunderkrankung erreicht werden . Zusammenfassend ist das Ohrgeräusch ein Symptom und keine Diagnose. Die schulmedizinische Therapie umfasst daher auch Entspannungstherapien, autogenes Training, Selbsthilfegruppen, Medikamente mit Sedativa, Durchblutungs-fördernden Mitteln, Kalziumantagonisten, Bisphosphonaten, Vitamine. Bisweilen können auch ein Tinnitus-Masker und ein Hörgerät den Tinnitus lindern. Die unterstützenden Therapien aus holistischer Sicht sind, wie zuvor angedeutet, von A bis Z vielfältig : Akupunktur, Homöopathie, Kinesiologie, Osteopathie. Die Indikationen zu den einzelnen Behandlungsmethoden erfordern, dass der Therapeut diese im Einzelnen auch komplett beherrscht und in der Lage ist, die Trennschärfe der einzelnen Verfahren im Falle des einzelnen Betroffenen zu differenzieren und ggf. auch Therapiemethoden zu kombinieren. Es muss also erkannt werden, ob bezüglich der Fallanalyse ein Patient beispielsweise wegen seiner „miasmatischen Konstellationen“ eher einer homöopathischen Therapie zugeführt werden muss oder ob im Vordergrund „osteopathische Restriktionen“ stehen oder ob die Fallanalyse aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin auch mit der chinesischen Diätetik mit Schädelakupunktur, Ohrakupunktur oder ähnlichem Erfolg versprechend erscheint. Kinesiologisch können aus Sicht der Homöopathie oder der Orthomolekularmedizin dann einzelne Arzneien getestet werden. Im Zusammenhang mit der Art der Ohrgeräusche im spezifischen Auftreten ist es auch entscheidend vom Therapeuten abzuklären, ob die Ohrproblematik auch Thema des grundsätzlichen Miasmas beim Patienten ist und sich in den Einzelsymptomen oder Geist- und Gemütssymptomen zur Auswahl eines spezifischen Mittels eignet. Die Indikation zur osteopathischen Behandlung ergibt sich aus der Definition der osteopathischen Läsion: 3D-Restriktion (3D), mögliche Schmerzen und psychovegetative Alterationen.

schema1_tinnitusNach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Osteopathie und Schmerztherapie erfolgt die Behandlung dabei in keinem Fall nur mit zarten Berührungen, wie häufig oft fälschlicherweise verstanden wird, sondern die erste Ebene der Behandlung ist immer die strukturelle Therapie (mit Manipulationen, Mobilisationen, Dehnungen etc. an Gelenken, Halswirbelsäule, Kiefergelenk, Schädelknochen). Hierbei sind durchaus auch erhebliche Kräfte (1Kp ca.10 N-20-50 N) an Wirbelsäule und Kopfgelenken notwendig. Erst in weiteren Stufen kommen dann auch die viszerale Therapie zum Einsatz und auch die craniosakrale Therapie, wobei hier mit geringem Kraftaufwand (0,1-0,2-2,0 N) Gefäße, Nerven, Leitbahnen im Sinne einer „Manipulation“ behandelt werden. Insbesondere kommen hier auch Techniken am Felsenbein und benachbarten Schädelknochen zum Einsatz, die gerade ja auch die Ohrproblematik betreffen.

Der nachfolgende Fall einer „Homöopathie-Patientin“, die primär gar nicht wegen der Ohrgeräusche zu mir in die Behandlung gekommen war, stellt den eindeutigen Beweis dar, dass unter Umständen auch die Homöopathie eine geeignete Methode ist und den Tinnitus sanieren kann. Diese Patientin litt jahrelang an einer Tinnitussymptomatik im Zusammenhang mit ihrer ganzen miasmatischen Krankheitsentwicklung und wurde nach nur einer einzigen Gabe der „passenden“ Arznei vollkommen vom Tinnitus befreit (1×3 Glob. Nat.mur. C30-Gabe).

schema2_tinnitus
„Derartige Fälle“ sind sicherlich extrem selten. Ich selbst habe aber wiederholt in meiner jahrzehntelangen Tätigkeit diese Situation aus homöopathischer Sicht mit einer deutlichen Besserung bestätigt gefunden. Die häufigste Zuweisung aus HNO-ärztlicher Sicht erfolgte auch im Zusammenhang mit Ohrgeräuschen und „Verklemmungen“ an der Halswirbelsäule sowie an Kopf- und Kiefergelenken. Aus allgemeinärztlicher Sicht wissen wir, dass durch das „Volksleiden der Rückenerkrankungen“ bei „30% aller Fälle“ immer behandlungsbedürftige Befunde vorliegen, die aber in der normalen Kassenmedizin überhaupt nicht therapiert werden, da eine entsprechende osteopathische Therapie nicht in der Kassenmedizin existiert.
Jede ganzheitliche Therapie hat sicherlich das Ziel, die Heilung des Individuums zu bewirken oder den Weg dorthin positiv zu beeinflussen. Der Therapeut sollte sich auch bemühen, den Patienten als spirituelles Wesen zu erkennen, wobei auch viele Tinnitus-Patienten subjektiv berichten, dass sie in der „Schulmedizin“ gar nicht ernst genommen werden. So sind in der homöopathischen Fallaufnahme häufig einzelne Symptome und Geist- und Gemütssymptome von entscheidender Bedeutung, deren Wichtigkeit der normale Schulmediziner überhaupt nicht beurteilen kann, was aber zur Wahl eines geeigneten Mittels von immenser Bedeutung ist. Ein vollständiges Erfassen des Tinnitus-Patienten ist im Rahmen der
Kassenmedizin innerhalb von wenigen Minuten, weder zeitlich noch honorarmäßig überhaupt denkbar. Wir wissen, dass eine Homöopathie-Behandlung allein in der Erstanamnese drei bis fünf Stunden erfordert und auch eine osteopathische Komplexbehanldung ca. eine Stunde dauert. Im Rahmen der Akupunktur-Therapie wurde sowohl die Schädelakupunktur, Körperakupunktur als auch die Ohrakupunktur nach Nogier verwendet. Die Explorationen im Sinne der chinesischen Diätetik erweisen sich in Deutschland bei fehlenden spezifischen Medikamenten und diätetischen Ergänzungsstoffen, die zum Teil nicht zugelassen oder nicht zu beschaffen sind, als eher selten möglich. Die Behandlung mit orthomolekularen Medikamenten erfolgt nach Dr. Volkmann aus Lübek, der diese Methode nach Linus Pauling weiterentwickelt hat, welcher der Begründer der Orthomolekularmedizin war. Diese Methode hat speziell den Vorteil, dass mit einem Testset von Dr.
Volkman die einzelnen Präparate gut evaluiert werden können.

Fassen wir alle Ergebnisse bei Tinnitus-Patienten zusammen, so kann in der Summe aller Therapieanwendungen je nach Ausprägungsgrad und Lokalisation einer Störung auch eine Besserung dokumentiert werden. Das Tinnitusgeschehen ist, wie wir zuvor gesehen haben, auch immer psychovegetativ moduliert. Hieraus ergibt sich, dass auch die innere Erlebniswelt den Therapieerfolg oder die Verbesserung der Beschwerdesymptomatik beeinflusst. Patienten mit Tinnitus und deutlichen Restriktionen von Kopfgelenken und Halswirbelsäule gaben auch alle Verbesserungen der Tinnitussymptomatik mit Dämpfung der Lautstärke des Geräusches an. Die anderen ergänzenden Heilmethoden führten alle ebenfalls zu einer Verbesserung. Hier stellte sich ein Teilerfolg jedoch erst nach mehrfachen Behandlungen bzw. nach längerer Zeit ein (drei bis acht Wochen). Die vollständige Beseitigung der Tinnitussymptomatik gelang lediglich bei einer Patientin, wie zuvor geschildert, bei homöopathischer Therapie. Grundsätzlich war, wie zuvor geschildert, der Tinnitus sonst nur subjektiv zu bessern. Bei einem Patienten nach Knalltrauma vor 40 Jahren war mit keiner Methode eine Besserung zu erzielen.

Kommen wir noch als auf die Homöopathie zurück, so war mit dieser Methode immer dann eine Besserung zu verifizieren wenn der Patient gleichsam “ein homöopathischer Fall“ war und die Homöopathie „ im Vordergrund “ als Therapie der Wahl stand. Dies ist so gesehen immer schwierig, da der Behandler ja überhaupt die „Trennschärfe“ zur Wahl der richtigen Therapie erkennen können muß. Heutzutage weiß hinsichtlich zahlreicher Behandlungsvarianten oftmals ein betroffener Patient „ genauer Bescheid als der einfache Hausarzt “, der nicht immer alle Fachspezifitäten überblicken kann. Die Homöopathie, die alle Bereiche des Patienten (von Geist-Gemüt-bis allgemeinen und außergewöhnlichen-Aspekten der Matrix) modulieren kann, führte dann auch zur sonstigen allgemeinen Befindlichkeitsoptimierung. Bei Schmerztherapie-Patienten konnte dies auch (VAS-Medikamenten-Reduktion-Mobilitätsverbesserung-etc.) im Rahmen der erforderlichen chronischen-Schmerzverlaufsdokumentationen objektiviert werden.

Weiterhin muß auch darauf hingewiesen werden,dass bei vielen Patienten zahllose extrem kostenträchtige Vorbehandlungenbestanden (Stationärer Krankenhaus – Aufenthalt; Infusionstherapien; Medikamentation über Wochen und Monate; Angiografien; MRT; CT; Röntgen; OP- Verfahren ) die tausende von „€ s`“ ohne jegliche therapeutische Besserung verschlangen— währen die Gabe der sinnvollen Arzeneien 3-5 „€“ an effektiven Behandlungskosten verursacht.- Selbst vorgenannte MRT- Untersuchungen die dann ja ohne irgendeinen Nutzen durchgeführt wurden, sind ja um ein vielfaches kostenträchtiger als Erstanamnese und Behandlung beim Homöopathen, für die in den vorliegenden Fällen eine echte therapeutische und behanlungseffiziente Wirkung dokumentiert wurde. Es galt daher nicht nur „wer gute Ergebnisse hat hat Recht “, sondern auch aus Sicht der Äquivalenz- und Adäquanz-Theorie waren die erweiterten Methoden überhaupt die einzigen Behandlungen , welche dann letztlich einen therapeutischen Effekt im positiven Sinne aufwiesen.

Im Hinblich auf die anderen ganzheitlichen Behandlungen standen im Vordergrund die Osteopathie bei Folgen von traumatischen Restrictionen.(Zuweisungen HNO-Zahnärzten-Neurologen-OrthopädenChirurgen). Andere Patienten, wie wir sie aus dem schulmedizinischen Therapiemaßnahmen kennen (HNOPatienten mit Hörgerat-Masker etc. –Versorgung) lagen nicht vor.

Am häufigsten waren dabei Kopfgelenke und HWS Auslöser der Tinnitussymptome, wobei drei Patienten angaben, der Tinnitus habe schon vorher bestanden, sich aber durch das auslösende Ereignis unerträglich verstärkt. Zahn- und Kierfer-ärztliche Behandlungen gehen häufig mit längeren Zwangspositionierungen der Kiefer –und – HWS-Kopfgelenke einher, was zu osteopathischen Restiktionen und „Blockierungen“ in diesem Berich bis zur Thoraxapertur und den ISG- Gelenken führen kann. Es können dann auch durch die Muskeltonisierungen oftmals Tinnitus-Symptome verstärkt und induziert werden.- Hier sollten während der Behandlung Pausen mit Automobilisierungen ( Dehnungen + schonende Rotationsmobilisierung bei Beugung der gesamten HWS + schonende Kaumuskelkompression zur TMJ-Entlastung,bei OP hat sich bei uns auch die prophyllaktische Gabe einer Einmalgabe Arnica C 30 bzw C200 –3Glob. als Traumabehandlung bewährt) erfolgen. Auch mit der Akupunktur waren Besserungen zu verzeichnen ebenso wie mit Kinesiologie und Orthomolekularmedizin. Eine eindeutige Aussage zur Präferrenz einer Methode ist wegen des inhomogenen Kollektives der Patienten nicht möglich, zumal auch bis auf eine Patientin alle anderen in den zuweisenden Fachdisziplinen unterschiedlich vorbehandelt waren,und die Stichprobenanzahlen damit nicht aussagefähig waren.

Insgesamt ( 68 Pat.-m:w-30:38 Alter 22J-96J ) ist die Tinnitusbehandlung sicherlich ein schwieriges Thema, ein Therapieversuch mit den zuvor geschilderten ganzheitlichen Heilmethoden ist jedoch in jedem Falle empfehlenswert und sinnvoll und sollte auf der Basis der Vorgeschichte zur Auswahl der jeweiligen Behandlungsmethode führen. Die Garantie für einen sicheren Therapieerfolg ist jedoch nicht möglich.

Tinnitus-Behandlung: Von Homöopathie bis Osteopathie